Bente Lay… woher kommt denn der Name? Ach bist du Norwegerin? Du sprichst aber perfekt Deutsch! Ungefähr so läuft ein typisches Gespräch ab, wenn ich jemanden neues kennenlerne.

Aber nochmal von Anfang an: Ich wurde in Norwegen am 11. Juni um sonnige 3 Uhr nachts geboren. Das Jahr ist hier gar nicht so wichtig. „Du bist ein echtes Sonntagskind“, sagte gern meine deutsche Mutter, die meinen norwegischen Vater in München kennengelernt hatte und nun mit ihm in Oslo wohnte. An meinem zweiten Geburtstag  zogen wir mit unserem neuen, schwarzen Elchhundwelpen Passopp aufs Land, in ein altes, weißes Holzhaus mit Ausblick über den Fjord. Eine absolute Astrid-Lindgren-Idylle, obwohl die schwedisch ist.

Es folgten gute Jahre, ein Intermezzo in Heidelberg, wo ich eingeschult wurde, ein rascher Umzug nach Offenbach und dann wieder zurück nach Åros, Norwegen,  wo ich nach einem bestandenen IQ-Test mit 130 das Ende der 1. Klasse fortsetzen durfte. Dort wuchs ich also auf, mit einem Hund als Bruder, einem verspielten Vater, der an der Universität von Oslo Philosophie unterrichtete, und einer deutschen Mutter, die nie ihren Akzent ablegte, mich aber zweisprachlich erzogen hat.

Nach dem Abitur wollte ich erstmal arbeiten, was Praktisches machen. Ich fing als professionelle Erdbeerpflückerin an, dann reiste ich als Straßenverkäuferin von Lexika quer durch Norwegen bis nach Hammerfest, bis ich schließlich in Oslo in einer Reederei landete. Dort gab es noch Telex, und der Computer füllte einen ganzen Raum aus.

Meine Mutter packte wieder die Sehnsucht nach Deutschland, uns so mieteten wir für 2 Monate eine Wohnung in der Elisabethstraße in Schwabing. Sie blieb 1 Jahr, und ich blieb im Grunde bis heute.

Ich zog in eine WG, studierte tagsüber BWL und ging Abends aus. Diese Kombi ging nicht lange gut. Ich entschied mich für das Nachtleben und arbeitete im Café Huiras. Auf Dauer war das aber auch nichts, also fing ich wieder was Ordentliches an: Fremdsprachenkorrespondentin für Französisch und Italienisch. Danach war ich ein halbes Jahr in Paris, studierte an der Sorbonne und wohnte in der Cité Universitaire im Maison de Norvège. Dann wieder zurück nach München. Ich fing eine Lehre als Speditionsskauffrau bei Hamann-Wetsch an, und gleichzeitig fing ich an, Theater zu spielen. Eine ambitionierte Amateurgruppe, die in der Black Box im Gasteig ihre Auftritte hatte. Meine erste Rolle war als Leiche in „Der Belagerungszustand“ von Albert Camus. Ich habe gleich Blut geleckt, und hatte in der nächsten Produktion schon eine Hauptrolle.

Beruflich machte ich erstmal im Speditionswesen weiter. Nach meinem streberhaften Abschluss bekam ich eine eigene Abteilung für Luft- und Seefracht, saß in Unterschleißheim in einem verrauchten Großraumbüro und telefonierte mit Hong Kong. Und habe nebenbei Theater gespielt. Bis ich nebenbei nicht mehr aushielt und kündigte, um Schauspielerin zu werden. Tatsächlich ernährte ich mich zunächst als Plakatkleberin, und stand nachts mit Besen und Klebstoff in Unterführungen. Bis ich in einer TV-Show einen Audi A4 gewann, ihn ab Werk verkaufte, und endlich Geld hatte für zwei große Träume: Nach Brasilien zu reisen und die Schauspielschule zu besuchen! Ich ging ins Reisebüro und sprach beim Schauspiel Studio München vor. Beide wollten mich.

Nach Abschluss der dreijährigen Ausbildung kam ich durch ein Casting zum neu gegründeten Unternehmenstheater vitaminT, und verdiente dort gleich mein erstes Geld als Schauspielerin. Nebenbei gab es ein paar Sprecheraufträge, und so dies und das. Und ich bestand die externe ZBF-Prüfung, obwohl ich eine recht große Frau bin, wie bemerkt wurde. Ich war voller Hoffnung aber ohne Plan.

Ich zog für ein halbes Jahr nach Wiesbaden und arbeitete in knapper Uniform als Rundfahrtenbegleiterin am Frankfurter Flughafen, stand vorne im Bus und übte mich in Moderation und Gleichgewicht, bis ich wieder zurück nach München in die Türkenstrasse in meine WG kam. Meine Mitbewohnerin war ebenfalls Schauspielerin, und langsam kamen Jobs; Theater in jeglicher Form, gelegentliche Drehs, als Sprecherin – und als finanzielle Stütze gab es natürlich weiterhin das Bedienen. Das Leben war einfach und ganz ok.

Dann kam 2006, ein turbulentes Jahr. Meine Mutter bekam Krebs und ich auf einmal viele Aufträge, und ich flog hin und her zwischen München, Oslo, Berlin, Lissabon uns wo ich sonst noch war. Ende des Jahres kam dann das private Glück: Ich lernte meinen heutigen Mann im Titty Twister im Kunstpark Ost kennen, einen dunkelhaarigen Ostfriesen. Wir zogen zusammen, heirateten, und bekamen einen Hund. Ich wollte immer einen Hund. Jetzt habe ich zwei.

Dort leben wir nun, gegenüber dem Schlachthof München und  sind (auch deswegen) Veganer geworden. Ich habe eine eigene Sprecherkabine und arbeite viel von Zuhause aus, wenn ich nicht durch die Welt reise. Ich habe meinen Weg gefunden, aber er ist noch lange nicht zu Ende!